Das Mesozoikum:
Eine Reise durch das Erdmittelalter

Die Ära der Reptilien (und so viel mehr!)

Stellt euch eine Welt vor, so fremd und doch seltsam vertraut. Eine Welt, in der Farne so hoch wie Häuser wachsen und gigantische Kreaturen das Land erschüttern. Eine Welt, in der die Luft von den ledrigen Schwingen fliegender Reptilien durchschnitten und die Meere von Ungeheuern mit Zähnen so lang wie Dolche beherrscht werden. Das ist keine Fantasiegeschichte, das ist das Mesozoikum, das Erdmittelalter! Viele nennen es einfach „das Zeitalter der Dinosaurier“, aber das ist, als würde man ein riesiges Festessen nur nach dem Nachtisch benennen. Es war so viel mehr! Diese Ära war ein unglaubliches, 186 Millionen Jahre langes Theaterstück in drei Akten, eine Zeit fundamentaler Veränderungen, die unseren Planeten für immer prägte. Schnallt euch an, liebe Zeitreisende, denn wir tauchen jetzt kopfüber in diese verlorene Welt ein!

Der Name Mesozoikum kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „mittleres Leben“ (meso = mittel, zóon = Lebewesen). Es ist die Brücke zwischen dem Paläozoikum, dem „alten Leben“, und dem Känozoikum, dem „neuen Leben“, in dem wir uns befinden. Die Paläontologen, die sich diesen Namen ausgedacht haben, waren eben sehr ordentliche Leute. Sie teilten dieses gewaltige Zeitalter in drei Perioden auf, die wie die Akte eines epischen Dramas aufeinanderfolgen:

Jede dieser Perioden hatte ihre eigenen Superstars, ihr eigenes Klima und ihre eigenen Dramen. Lasst uns den Vorhang für den ersten Akt heben!

Akt 1: Die Trias

Die große Leere und der Aufstieg der Überlebenskünstler

Unsere Geschichte beginnt nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einer unheimlichen Stille. Kurz vor dem Beginn der Trias hatte das Leben auf der Erde die schlimmste Katastrophe aller Zeiten erlebt: das Massenaussterben am Ende des Perm. Stellt euch vor, jemand hätte auf den „Alles löschen“-Knopf des Planeten gedrückt. Schätzungsweise 90 Prozent aller Meeresbewohner und 70 Prozent der Landlebewesen wurden ausgelöscht. Die Welt war eine leere, verwundete Kugel, die sich nur langsam erholte.

Damals gab es nur einen einzigen riesigen Superkontinent, den Geologen den Namen Pangaea gegeben haben. Dieses gigantische Stück Land erstreckte sich von Pol zu Pol und war im Inneren größtenteils eine knochentrockene Wüste mit extremen Temperaturen. Die Ozeane waren wie eine riesige Badewanne drumherum. Das Leben musste sich in dieser rauen Umgebung erst einmal wieder neu erfinden.

Akt 2: Der Jura

Willkommen im Reich der Giganten

Vorhang auf für den Jura! Wenn ihr an Dinosaurier denkt, denkt ihr wahrscheinlich an diese Periode. Und das zu Recht! Der Jura war das goldene Zeitalter der Dinos, eine Zeit, in der sie zu unglaublichen Größen und Formen heranwuchsen.

Was hatte sich verändert? Pangaea begann, auseinanderzubrechen. Risse durchzogen den Superkontinent, und zwischen den neuen Landmassen, Laurasia im Norden und Gondwana im Süden, bildeten sich flache Meere. Das Klima änderte sich dramatisch. Die riesigen Wüsten wichen feuchten, tropischen Bedingungen. Stellt euch eine Welt vor, die fast vollständig mit üppigen Wäldern aus riesigen Farnen, Palmen-ähnlichen Cycadeen und gewaltigen Nadelbäumen wie Araukarien bedeckt war. Es war ein All-you-can-eat-Buffet für Pflanzenfresser, und die wurden… nun ja, riesig.

Akt 3: Die Kreidezeit

Ein explosives Finale mit Federn und Blüten

Wir erreichen den letzten und längsten Akt des Mesozoikums: die Kreidezeit. Die Welt sah unserer eigenen schon viel ähnlicher. Die Kontinente waren weiter auseinandergedriftet und näherten sich langsam ihren heutigen Positionen. Das Klima kühlte sich etwas ab, und es gab wieder ausgeprägte Jahreszeiten.

Die Dinosaurier waren immer noch die unangefochtenen Herrscher, aber die Besetzung hatte sich geändert. Die Stars des Jura waren verschwunden und hatten Platz für eine neue Garde von unglaublichen Kreaturen gemacht. Hier sind die absoluten Megastars der Kreidezeit:

Was von den Riesen übrig blieb

Das Erbe des Mesozoikums

Das Ende der Kreidezeit war ein schreckliches Ereignis, aber es war kein vollständiges Auslöschen. Das Leben ist zäh. Viele Tiere und Pflanzen überlebten: Krokodile, Schildkröten, Schlangen, Fische, Insekten und natürlich die Blütenpflanzen. Und zwei Gruppen von Überlebenden sollten die Welt erben.

Die erste Gruppe waren die Vögel. Ja, ihr habt richtig gehört. Die gefiederten Dinosaurier, deren Geschichte mit Archaeopteryx begann, überlebten die Katastrophe. Das bedeutet, dass jedes Mal, wenn ihr einen Spatz, eine Amsel oder eine Taube seht, ihr einem echten, lebendigen Dinosaurier in die Augen blickt! Sie sind die direkten Nachfahren der mächtigen Theropoden. Ziemlich cool, oder?

Die zweite Gruppe waren unsere eigenen Vorfahren: die Säugetiere. Während des gesamten Mesozoikums hatten sie ein Schattendasein geführt. Aber als die großen Dinosaurier verschwunden waren, war der Weg frei. Unsere kleinen, pelzigen Ahnen kamen aus ihren Verstecken und eroberten die Welt. Ohne das Aussterben der Dinosaurier gäbe es keine Elefanten, keine Wale, keine Fledermäuse – und auch keine Menschen. Wir sind ein direktes Produkt des Endes des Mesozoikums.

Die Ära der Reptilien hat also nicht nur die unglaublichsten Tiere hervorgebracht, die je auf diesem Planeten gelebt haben. Sie hat auch die Weichen für unsere moderne Welt gestellt – von den Kontinenten unter unseren Füßen bis zu den Vögeln am Himmel und den Blumen auf der Wiese. Das Mesozoikum ist nicht wirklich vorbei; sein Erbe ist überall um uns herum.

Häufig gestellte Dino-Fragen