Das Phanerozoikum:
Die große Show des sichtbaren Lebens!

Stellt euch vor, die gesamte Geschichte unseres Planeten Erde wäre ein riesiges, dickes Buch mit 4.600 Seiten, wobei jede Seite eine Million Jahre darstellt. Die meiste Zeit, fast 4.000 dieser Seiten, wäre gefüllt mit… nun ja, nicht besonders viel, was man mit bloßem Auge sehen könnte. Es wäre die Zeit der Mikroben, der geologischen Umwälzungen und einer Atmosphäre, in der ihr keine Sekunde hättet atmen können. Spannend für einen Geochemiker wie mich, aber vielleicht etwas eintönig, wenn man auf den großen Auftritt von T. rex wartet. Doch dann, auf etwa Seite 4.061, blättern wir um und die Party geht los! Genau hier beginnt das Phanerozoikum, das Äon, die Superepoche, in der das Leben beschloss, nicht mehr nur im Verborgenen zu existieren, sondern groß, komplex, panzerbewehrt und manchmal furchterregend zu werden. Das Wort selbst stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „sichtbares Leben“ – und was für ein Leben das war!

Das Phanerozoikum ist die Zeitspanne von vor rund 539 Millionen Jahren bis zum exakten Moment, in dem ihr diesen Satz lest. Es ist die Ära, die uns die Trilobiten, die ersten Fische, die gigantischen Farnwälder, die Dinosaurier, die Säbelzahnkatzen und schließlich auch uns Menschen schenkte. Es ist die große Bühne der Evolution, ein Theaterstück in drei gewaltigen Akten. Und ich lade euch ein, mit mir, eurem Paläontologen des Vertrauens, die besten Plätze einzunehmen und dieses Spektakel zu bestaunen.

Die große Aufteilung

Drei Akte im epischen Drama des Lebens

Um diese unfassbar lange Zeitspanne von über einer halben Milliarde Jahre nicht durcheinanderzubringen, haben wir Wissenschaftler sie fein säuberlich in drei große Ären oder Akte unterteilt. Jede dieser Ären hatte ihre eigenen Stars, ihre eigene Kulisse und endete oft mit einem dramatischen Finale – einer Massenextinktion, die die Bühne für den nächsten Akt freimachte. Diese drei Akte sind:

Jeder dieser Akte ist selbst wieder in mehrere Perioden unterteilt, wie Szenen in einem Theaterstück. Lasst uns den Vorhang für den ersten Akt heben!

Ein Blick auf das große Ganze

Muster im Lebens-Mosaik

Wenn wir nun aus dem Theatersaal heraustreten und auf die drei Akte zurückblicken, erkennen wir Muster. Wir sehen, wie das Leben immer wieder durch Massenaussterben zurückgeworfen wurde, sich aber jedes Mal aufs Neue erfand, oft in noch größerer Vielfalt. Wir sehen, wie die Bewegung der Kontinente – vom Auseinanderbrechen Pannotias bis zur Bildung Pangaeas und seiner erneuten Zersplitterung – das Klima und die Evolution lenkte. Wir erkennen, dass selbst der größte König, der mächtigste T. rex, nur ein Teil eines viel größeren, unendlich faszinierenden Puzzles ist, das wir das Phanerozoikum nennen. Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wir selbst schreiben gerade am neuesten Kapitel.

Fragen und Antworten für neugierige Forscher